Inception angewendet

Ihr habt doch bestimmt alle Inception gesehen, oder? Wehe wenn nicht, der ist wirklich gut 😉
Jedenfalls, dann kennt ihr auch das Konzept hinter den „Totems“, richtig? Gut, denn das sollte man, wenn man den Witz im folgenden finden will.

Folgende Situation: ich trĂ€ume, und weiß das auch. Allgemein bekannt als Lucid Dream. Die Situation ist aber nicht grade rosig… in Inception wĂŒrde man sagen, „the dream collapses“, also muss ich den irgendwie zusammenhalten. Aufwachen ist doof, die Umgebung ist so toll gebaut. Nun ist das nicht so einfach, irgendwas um sich drauf zu konzentrieren dass das ein Traum ist, wĂ€re gut. Was macht meine Begleiterin (hey, ich trĂ€ume ĂŒblicherweise Filme – mĂ€nnlicher Held, weiblicher Sidekick, klar!?)? (Übrigens, sie ist auch toll konstruiert: ich kenne sie im RL, und sie ist ein Japan-Fan, was bekomme ich also? Die Person, die eigentlich white caucasian ist mit japanischen GesichtszĂŒgen 😀 ) Sie holt einen SpielwĂŒrfel (D6) raus, und lĂ€sst den auf einer Ecke rotieren wie einen Kreisel.

Er fÀllt nicht um.

Ich stelle also fest: „Das ist eindeutig ein Traum!“ Woraufhin sie mich fragt, „jetzt mĂŒssen wir nur noch rausfinden ob deiner oder meiner.“ (warum? Keine Ahnung. Sie hat wohl auch Inception gesehen^^) In dem Moment fĂ€llt der WĂŒrfel um, eine 4.
Ich nehme mir den also, stating the obvious „ah, eine 4“ und lasse den WĂŒrfel kreiseln, was er auch recht ungestört tut. Bis jemand der neben mir am Tisch steht (irgendein Statist) an den Tisch stĂ¶ĂŸt (offenbar gehorcht er doch der Schwerkraft, wenn man nur genug drauf einwirkt) – wĂ€hrend der WĂŒfel noch im Fallen ist, fange ich schon an zu sprechen: „Schon wieder eine 4“. Sobald der Satz raus ist, fĂ€llt er ganz um und zeigt – die 4.
„HĂ€tten wir das geklĂ€rt, ist also mein Traum.“

Anscheinend reichte das, um mein Unterbewusstes davon zu ĂŒberzeugen die Welt zusammenzuhalten, jedenfalls ging der Traum dann noch ziemlich lange weiter.

Merke: Reality Checks sind wichtig, funktionieren auch wenn man sie nicht selbst macht und erstaunlicherweise auch, wenn man sie nicht regelmĂ€ĂŸig in der Reality macht. Nolan, you genius.

Manipulation der Welt hat sich ĂŒbrigens ziemlich Minecraft-artig abgespielt – schon lustig, quadratische Löcher in WĂ€nde zu hauen 🙂

Ich bin ja immer noch ziemlich fasziniert davon, aber das solls hier erstmal gewesen sein. Man muss ja erstmal sehen, ob ihr mich jetzt fĂŒr verrĂŒckt erklĂ€rt, wegen sowas wertvolle Bandbreite zu belegen 😀

Jugendschutz vs. Zensur

Mal wieder Zeit fĂŒr was politisches, hm? Aus gegebenem Anlass, kann man wohl sagen. Mittlerweile hat auch die FSM eine FAQ veröffentlicht, die zumindest die erste Hysterie mit „wird schon gutgehen“ abbĂŒgeln wollen. Nicht, dass ich wirklich glaube dass die BefĂŒrchtungen der Netzgemeinde (wie es so schön heißt) sich nicht bewahrheiten werden – das haben sie immer. Nur zeigt diese Seite schön, dass offenbar die Idee nicht so schlecht wie der Entwurf zum JMStV war.

Um diese handwerklichen MĂ€ngel (umgangssprachlich: himmelschreiender Pfusch) soll es hier aber nicht gehen, denn unabhĂ€ngig von der rechtlichen Schlangenteergrube voll mit Minen ist das Thema Jugendschutz in Deutschland ein ganz eigenes. Kein anderer westlicher Staat leistet sich so restriktive Regelungen und StraftatbestĂ€nde zum Schutze der Jugend wie Deutschland. Das lĂ€sst doch die Frage aufkommen: warum ist das so? Sind wir besonders kinderlieb (darf man das heute ĂŒberhaupt noch sagen oder ist die griechische Übersetzung schon stĂ€rker?) oder alle anderen Kinderhasser?

Gehen wir doch mal zu den Wurzeln. Die Wikipedia sagt in einem noch nicht gelöschten Eintrag:

In der Bundesrepublik Deutschland wurde erstmals 1951 das Gesetz zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit (JÖSchG) erlassen. Danach wurde es mehrfach novelliert, bis es durch das neue Jugendschutzgesetz ersetzt wurde.

Ein VorlĂ€ufer des JÖSchG war das nach dem zweiten Weltkrieg aufgehobene Lichtspielgesetz von 1920, das die öffentliche VorfĂŒhrung von Filmen erst nach der ÜberprĂŒfung durch zentrale PrĂŒfstellen erlaubte. Eine aufgrund der Strafandrohungen gegen Jugendliche umstrittene Polizeiverordnung aus dem Jahr 1943, die unter anderem AusgangsbeschrĂ€nkungen enthielt, wurde erst 1951 aufgehoben und floss in Teilen in die neuformulierten Regelungen ein.

Also: die das erste JSG in Deutschland war ein Gesetz, dass eine zentrale PrĂŒfstelle fĂŒr Filme eingefĂŒhrt hat – viele Jahre spĂ€ter in der DDR gab es sowas fĂŒr Drucksachen, damit keiner einfach FlugblĂ€tter oder andere staatsgefĂ€hrdende Propaganda von der Druckerei machen lassen kann. Na, erkannt? Richtig, solche Stellen dienen IMMER der Zensur!

Das erklĂ€rt aber eins nicht: wie kann es sein, dass ein Volk, dass zwei Diktaturen ĂŒberlebt hat, sich heute immer noch die gleichen Institutionen andrehen lĂ€sst? Wie kann es sein dass so etwas nicht nur passiv erduldet, sondern aktiv gefordert(!) wird?

In der Shoutbox der Entwickler-Ecke vertrat ich nun die Meinung, dass dies damit zu tun hat, was sich unsere Kultur unter Kindheit vorstellt: ein behĂŒtetes und von allem Bösen verschontes aufwachsen, möglichst bis zum 18. ohne jeden Außenweltkontakt. Aber warum wollen wir das? Sollte es nicht eigentlich das Ziel der Erziehung (durch Eltern UND Gesellschaft, nicht ODER!) sein, mĂŒndige BĂŒrger auf die Welt vorzubereiten, die sie einmal erleben und womöglich verĂ€ndern werden?
Dazu braucht es vor allem eins nicht: riesige undurchsichtige VorhĂ€nge, die die Außenwelt abschirmen und eine Parallelwelt erzeugen, in denen unsere Kinder aufwachsen. Dazu braucht es Leitlinen, FĂŒhrung und vor allem eins: Vertrauen. Es hilft nichts, als Eltern „das Böse (TM) Internet“ zu verdammen und dem Kind jeden Kontakt damit zu verbieten. Es hilft nichts, stattdessen einen Fernseher ins Kinderzimmer zu stellen. Es hilft erst recht nichts, ein gesiebtes Internet zu erzeugen.
Was wichtig ist, ist die Medienkompetenz (hier wĂŒrde ich auf Isotopp linken, wenn das denn noch gehen wĂŒrde – danke JMStV!Mittlerweile ist der JMStV vom Tisch und Isotopp wieder da – also hier der versprochene Link) schon im frĂŒhen Alter zu erzeugen und dafĂŒr zu sorgen, dass die Bewertung des Inhaltes da passiert, wo sie hingehört: in das Moralbewusstsein des Rezipienten! Nirgendwo sonst kann irgendetwas erreicht werden als dort, wo Abstoßung und FremdschĂ€men entstehen. Und das am Besten schon vor dem Kontakt: wer Gewalt verabscheut, wird auch von gewaltverherrlichenden Inhalten nicht zum Berserker, sondern sich angeekelt abwenden.

Dabei liegt aber nicht nur das Kindheitsbild in Deutschland im Argen, auch an anderer Stelle haben wir ein (historisch bedingtes) Defizit: Meinungsfreiheit. Man sieht deutlich, dass jeder Staat, der in seiner Geschichte eine erfolgreiche Revolution von unten vorweisen kann auf die freie MeinungsĂ€ußerung einen grĂ¶ĂŸeren Wert legt, als Staaten die von oben geformt wurden. Das ist auch völlig logisch: wer weiß, welche Macht das Wort hat, will es entweder schĂŒtzen oder eindĂ€mmen, je nach dem, auf welcher Seite er gerade steht. Vergleicht man zum Beispiel das Grundgesetz mit der Constitution der USA, fĂ€llt eins auf: im GG findet sich die WĂŒrde des Menschen in Art. 1, die Meinungsfreiheit erst in Art 5. Im Gegensatz dazu ist die freie MeinungsĂ€ußerung Teil des First Amendment und damit das erste und oberste Gut! Aus genau dieser Wertung begrĂŒndet sich auch die Jugendschutzgesetzgebung in Deutschland, denn es wird eben nicht davon ausgegangen, dass der Konsument schon wissen wird, was er mit dem Input anzufangen hat, sondern eben im genauen Gegenteil das Filtern fĂŒr ihn ĂŒbernommen.

Womit wir wieder am Anfang angekommen wĂ€ren: Jugendschutz (besonders Jugendmedienschutz) ist Zensur in dem Sinne, dass sie einen mĂŒndigen Heranwachsenden fĂŒr unmöglich hĂ€lt und dabei in Kauf nimmt, Erwachsene in ihrer Entfaltung der Persönlichkeit (Artikel 2, NACH der MenschenwĂŒrde) zu hindern. Diese AbwĂ€gung ist es, die es möglich gemacht hat dass wir heute auf dem besten Weg zu einem „Kindernet“ sind, einem Netz, in dem der mĂŒndige selbst nachdenkende und bewertende Rezipient nicht mehr vorgesehen ist.

Brave New World.

Nachgelesen 2009-10-13

Hallo,

Nach lĂ€ngerer Pause nun mal etwas was ich eigentlich schon lange mal vor hatte. Zu vielem was so per Twitter, RSS etc reinrieselt hat man ja doch eine Meinung… ich glaube, das könnte hier eine Plattform werden selbige kundzutun.
Mal sehen wie lange ich das durchhalte. Sowas wie das WWWW wird da sicher nicht draus…

wikileaks sagt, dass MySQL doch im Wettbewerb zu Oracle stand… Ich bin ja nun der Meinung dass man dafĂŒr keine internen Dokumente braucht. Oracles in den 10er und 11er-Versionen angefangenen Bestrebungen, Web-Basierte OLTP-Anwendungen zu bauen ist doch wohl direkter Angriff auf MySQL. Integration von Webserver&DB kennt man doch? Richtig, XAMP. Und da ist MySQL drin.

Fefe hat auch was gefunden:

KĂŒnftig ist Sarrazin nur noch fĂŒr Informationstechnologie und Risiko-Controlling verantwortlich.

Naja, ist doch klar: Risk-Controlling scheint bei Banken ja das zu sein, wo die abgeladen werden die nichts drauf haben. Anders lÀsst sich die Bankenkrise eigentlich nicht erklÀren. So gesehen, ist das schon eine tolle und Richtige LeistungseinschÀtzung.
Was der dann in der IT verloren hat, ist mir aber auch nicht klar.

Internetausdrucker

Da soll nochmal einer sagen, wir hÀtten nicht immer Recht gehabt.

MZ: Dienstwagen von Ulla Schmidt ist wieder da

Der StaatssekretĂ€r begrĂŒndet den Einsatz des Dienstfahrzeugs mit dem Hinweis, mit dem Wagen sei die fĂŒr die Ministerin notwendige «BĂŒromindestausstattung» an den Urlaubsort transportiert worden. Bei Verzicht auf den Dienstwagen und die Beförderung von Drucker, Computer und Papier per Flugzeug und Anmietung eines Autos vor Ort wĂ€ren dagegen Kosten von etwa 3700 Euro entstanden. «In der Gesamtbetrachtung ist Variante 1 die wirtschaftlichere Lösung», heißt es in dem Schreiben.

Nochmal zum Mitmeißeln: „Beförderung von Drucker(!!), Computer(!!!!) und Papier(!!!!!!!!) per Flugzeug“.

Ob denen mal jemand sagen sollte, dass Laptops bereits erfunden wurden, und man per „Internet“ (Was ist das eigentlich?) auch auf seine Daten im BĂŒro zugreifen kann?
WĂ€re wohl „die wirtschaftlichere Lösung“.

So, und wer nochmal sagt, „Internetausdrucker“ sei ein Polemischer Kampfbegriff: nein, ist er nicht. Leider.

cu
Martok

Das ist der Deutsche…

Volker Pispers hatte mal wieder recht… der Deutsche ist schon komisch.

Heute musste ich in der MZ folgendes auf der selben Seite, ca 20 cm auseinander, lesen:

Keiner glaubt an Steuersenkungen nach der Wahl. Selbst unter den eigenen AnhÀngern sagen nur 8,2% (!!!), dass sie dem Wahlprogramm der CDU/CSU glauben. Soweit, so gut. Wer glaubt schon Wahlprogrammen.

Etwas weiter Links muss ich dann lesen, dass eine Koalition Union/FDP in Meinungsumfragen stabil bei 50% liegen wĂŒrde. WTF? Ich glaube denen kein Wort, deswegen wĂ€hl ich die?

Pispers hat eben Recht: der Deutsche will verarscht werden. Das braucht der einfach.

Na dann, gute Nacht (es ist 00:35 AM)

Links gibts erstmal keine, bin irgendwie zu MĂŒde die jetzt noch rauszusuchen. Wenn wer mz-web.de und Youtube durchforsten möchte, darf er mir gern die Links hier in die Kommentare werfen.

Petition gegen Internetzensur

Um es mit Fefe zu sagen:

Es gibt jetzt eine Petition gegen Internetzensur. Hopp Hopp, worauf wartet ihr?

Genau, nix warten. Die 6000 Unterzeichner haben wir gerade ĂŒberschritten, 50k in 3 Wochen mĂŒssen es werden.

WĂ€hrend ich das Forum dazu lese, stolpere ich immer mal wieder ĂŒber interessante BeitrĂ€ge, die ich hier gern mal festhalten möchte. Continue reading „Petition gegen Internetzensur“

Anonymity vs. Deniability

Versus? Sollte das nicht immer Zusammen gehören? Nun, ich sage nein (sonst wĂ€re der Artikel auch wertlos…), und gehe sogar soweit zu behaupten dass PD an der Stelle kontraproduktiv sein kann.

Das Konzept von Plausible Deniability ist ja, dass man im Falle eines Falles sagen kann, dass man damit nichts zu tun hat. In Richtung Kryptographie heißt das, dass mir niemand beweisen kann, dass der DatenmĂŒll da auf Laufwerk S: meine streng geheimen PlĂ€ne zur Eroberung der Weltherrschaft sind. Die Sache ist nur: das funktioniert nicht. Zumindest nicht da wo es gebraucht wird. Dort, wo „in dubio pro reo“ noch gilt, ist das alles kein Problem. Ich sage, da ist nichts, keiner kann was anderes beweisen: Freispruch. Wunderbar, funktioniert. Aber was passiert, wenn das keinen interessiert?
Mal ein paar kleine Szenarien. Continue reading „Anonymity vs. Deniability“